„Unsere Probleme sind in Beziehung entstanden und können nur in Beziehung überwunden werden.“
(Harville Hendrix und Hellen LaKelly Hunt)


Imago ist vor allem bekannt als Methode zur Paarberatung oder Paartherapie. Die Imago-Beziehungstheorie geht davon aus, dass wir unseren Partner oder unsere Partnerin keinesfalls zufällig auswählen. Er oder sie hat charakterliche Ähnlichkeiten mit einem oder beiden unserer Elternteile. Unbewusst suchen wir uns jemanden aus, der uns ähnliche Verletzungen zufügt, wie wir sie schon aus unserer Kindheit kennen, weil wir die Hoffnung haben, diese alten Verletzungen nun endlich heilen zu können.

Solange eine Beziehung nach unbewussten Mustern abläuft, führt dies oft zu Frustration, weil uns der Partner in seiner Ähnlichkeit mit dem Elternteil genau das, was wir brauchen, scheinbar nicht geben kann.

Durch den Imago-Dialog mit dem Partner/der Partnerin wird die Beziehung auf eine bewusste Ebene geführt. Der Dialog folgt bestimmten Regeln, die garantieren, dass Probleme in einer sicheren und wertschätzenden Atmosphäre angesprochen werden können. Die Partner lernen, sowohl mit ihrer eigenen Verletzlichkeit, ihren Bedürfnissen und Gefühlen in Kontakt zu kommen, als auch sich in die Welt des anderen einzufühlen und Verständnis aufzubringen. Wenn das gelingt, ist die Belohnung eine doppelte: Nicht nur eine funktionierende Liebesbeziehung im Hier und Jetzt, sondern auch die Heilung alter Kindheitsverletzungen.

Ziel einer Imago-Paarberatung ist es auch, dem Paar grundsätzliches Wissen über Beziehungsdynamiken mitzugeben und Techniken zur Verbesserung der Kommunikation zu vermitteln, die auch zu Hause angewendet werden können (und sollen!). So kann der positive Impuls der Imago-Sitzungen auch nach deren Beendigung im Alltag weiterwirken.

Weniger bekannt ist, dass sich die Techniken von Imago auch sehr erfolgreich im Einzelkontext oder mit Gruppen (z.B. mit Familien oder beruflichen Teams) anwenden lassen. Wenn Sie an dieser Arbeit interessiert sind, unterstütze ich Sie gerne bei der Entscheidungsfindung, ob Imago die geeignete Methode für Ihr Anliegen ist.

Meiner Erfahrung nach lässt sich Imago auch sehr gut mit Stress-Frei-Leben (SFL) kombinieren.

Fragen und Antworten zu Imago

Die Partner sitzen einander gegenüber und führen unter Anleitung der Beraterin einen Dialog nach den Regeln von Imago. Diese Regeln schaffen eine Grundatmosphäre von Sicherheit und gegenseitiger Wertschätzung. Ein wichtiges Element des Dialogs ist das sogenannte „Spiegeln“, wobei der Empfänger der Information möglichst genau wiederholt (= spiegelt), was sein Partner/seine Partnerin gesagt hat. Das Spiegeln mag vielleicht anfangs unnatürlich erscheinen. Es hat aber wichtige Funktionen, die nicht zuletzt den Erfolg der Methode ausmachen.

Die Beraterin achtet auf die Ausgeglichenheit des Dialogs und die Einhaltung der Regeln. Sie gibt Impulse zur Vertiefung des Gesagten und unterstützt die KlientInnen dabei, die eigene Verletzlichkeit in einem sicheren Rahmen zuzulassen und die dahinterliegenden unerfüllten Bedürfnisse zu erkennen und auszusprechen.

Das Nachsagen (=Spiegeln) ist eines der bekannteren Elemente von Imago. Es hat natürlich keinen Selbstzweck, sondern ist wissenschaftlich gut begründbar. Zum einen gibt es dem Sender das Gefühl, endlich gehört zu werden. Sehr oft kommt es in Konfliktsituationen ja dazu, dass die Partner aneinander vorbeireden und jeder in seiner Verletztheit nur mehr den eigenen Standpunkt wahrnehmen kann. Dieses Nicht-Hören und Nicht-Verstehen des Partners/der Partnerin löst weitere Verletzungen aus, und es beginnt ein Teufelskreis, aus dem man nur schwer wieder herauskommt.

Das Gefühl, endlich zu Ende sprechen zu können und auch gehört zu werden bewirkt eine unmittelbare Beruhigung des Nervensystems, was die Rahmenbedingungen für einen konstruktiven Dialog deutlich verbessert.

Die Verlangsamung des Dialogs durch das Spiegeln trägt weiter zu Entschärfung der Situation bei. In Konfliktsituationen sind unsere Reaktionen auf den Partner/die Partnerin oft nicht mehr vernunftgesteuert, sondern geschehen automatisch. Da werden dann oft Dinge gesagt oder getan, die man – mit Abstand betrachtet – eigentlich gar nicht so gemeint hat. Diese Reaktionen, die für den Partner/die Partnerin oft sehr verletzend sind, haben gar nicht viel mit der aktuellen Situation zu tun. Sie sind vielmehr instinktiv ablaufenden Reaktionen auf vermeintliche Gefahrenreize.

Was unser Gehirn dabei als Gefahr interpretiert, hat zu 90% mit Erlebnissen aus unserer eigenen Lebensgeschichte zu tun, und nur zu 10% mit dem Partner bzw. aktuellen Konfliktsituation. Das erklärt, warum sich Beziehungsstreitigkeiten oft sehr schnell aufschaukeln, ohne dass die beteiligten Partner verstehen, wie es dazu kommen konnte. Der Grund ist, dass beide Beteiligten unbewusst ihre 90% Lebensgeschichte ins Feld werfen. Dann reicht ein kleiner aktueller Anlass (= die fehlenden 10%) um den Teufelskreis ins Rollen zu bringen. Das Spiegeln verlangsamt den Dialog, mit dem Ergebnis, das die automatischen Reaktionen gestoppt werden und ins Bewusstsein gebracht werden können.

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